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Åke Edwardson

 

Er raucht Zigarillos (Corps Diplomatique), hört gerne Jazz (John Coltrane) und hat eine Vorliebe für italienische Schuhe und Designeranzüge: Kriminalkommissar Erik Winter, Hauptfigur der langjährigen Krimireihe des schwedischen Erfolgs-Schriftstellers Åke Edwardson, sieht gut aus und ist eitel bis in die Bügel seiner Lesebrille. Der Spiegel erkor ihn bereits zu "ein(em) skandinavische(n) Bruder von George Clooney", doch mit seiner Schweigsamkeit und Melancholie kommt der einsame Wolf Erik Winter eher wie eine jüngere, parfümierte Version Kurt Wallanders daher.

Außerhalb der Arbeit hat Winter nur selten Kontakt zu anderen Menschen. Er pflegt keine Freundschaften und die Familienbande sind nicht gerade eng geknüpft. Auch seine Freundin, eine Ärztin, würde er gern auf Distanz halten, doch Angela setzt ihm bald die Pistole auf die in edles Tuch gewandte Brust und zieht bei dem Einzelgänger ein. Ein Töchterchen wird geboren - allmählich verwandelt sich der ungesellige Kommissar, der im dritten Roman »Das vertauschte Gesicht« seinen vierzigsten Geburtstag feiert, zum Familienmenschen.

Erik Winters Terrain ist Göteborg, nach Stockholm die zweitgrößte Stadt in Schweden, das er zusammen mit den Polizei-Kollegen Fredrik Halders, Aneta Djanali und Bertil Ringmar beackert. Göteborg ist eine Stadt der tiefen Kontraste, die zwischen dem Charme prachtvoll sanierter Altbauviertel, die mit ihrem bourgeoisen Charme mit Wien oder Paris konkurrieren können, ihrer stolzen Werftarbeitertradition und der rauen Realität trostloser Betonsiedlungen changiert. Aus diesem Milieu gestaltet Edwardson Fälle, in denen die Täter fast immer zugleich Opfer sind - worin sich seine Bücher weniger mit Kriminalromanen Henning Mankells als eher mit denen seines Kollegen Håkan Nessers ähneln. Zweimal ermittelt Winter in Großbritannien: Im ersten Band führt ihn ein Mordfall nach London. Im Band »Segel aus Stein« (der als der letzte der Reihe konzipiert war), gibt es dann ein Wiedersehen zwischen dem Göteborger Cop und seinem Londoner Kollegen mit dem phantasievollen Namen Steve Macdonald: diesmal allerdings oben in Schottland, in der Nähe von Loch Ness.

Åke Edwardson ist am 10. März 1953 in Tranås (Småland) geboren und in Sävsjö und Vrigstad aufgewachsen. Durch die schwere Alkoholabhängigkeit des Vaters war Edwardsons Kindheit kompliziert und von ständiger Sorge und Angst geprägt. Er absolvierte 1972 sein Abitur und studierte Literaturwissenschaften und Journalismus in Växjö, Göteborg und Lund. Nach dem Studium arbeitete Edwardson als Journalist und Presseoffizier für die UN im Nahen Osten mit Sitz auf Zypern. Später wurde er Lehrer an der Journalisthögskolan in Göteborg und war Mitverfasser von zwei Journalistik-Lehrbüchern, die zu Standardwerken der journalistischen Ausbildung in Schweden wurden.

1995 debütierte Edwardson mit seinem Krimi »Till allt som varit dött« (»Allem, was gestorben war«), 1996 folgte »Gå ut min själ«. Hauptfigur beider Romane ist der Göteborger Ex-Polizist und Privatdetektiv Jonathan Wide. Die beiden Wide-Romane fanden durchaus positive Anerkennung - »Allem, was gestorben war« wurde von der Schwedischen Krimiakademie als "bester Debütroman" des Jahres ausgezeichnet -, waren kommerziell aber nicht sonderlich erfolgreich. Das änderte sich mit der Einführung von Kommissar Erik Winter: Schon der erste Band der Reihe, Tanz mit dem Engel, gewann den Schwedischen Krimipreis als bester Kriminalroman des Jahres 1997 und verkaufte sich prächtig. Auch international waren die Romane um den Göteborger Cop schnell populär, und Åke Edwardson hat sich als eine der Schlüsselfiguren des Nordic Noir etabliert: Seine Krimis sind bald in 27 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.

Åke Edwardson hat schon mehrfach seinen Abschied vom Krimi verkündet, kehrte dann aber wieder zum Genre und seiner Figur Erik Winter zurück. Neben Krimis schreibt er auch allgemeine belletristische Romane, Erzählungen und Jugendbücher. Edwardson lebt seit über 40 Jahren in Göteborg, der Stadt, die auch die Kulisse für seine Erik-Winter-Romane bildet. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Wie seine Figur Erik Winter ist er ein Liebhaber von Jazzmusik (insbesondere John Coltrane) sowie ein leidenschaftlicher Hobbykoch und Feinschmecker.

 

Neben der folgenden Bibliographie haben wir eine chronologische Cover-Galerie der deutschen Erik Winter-Ausgaben 1999 bis 2017 erstellt. Die Galerie dient weniger zum Nachschlagen als zum Blättern durch die Werkgeschichte - eine Einladung zu einer kleinen Zeitreise durch die Bildsprache seiner Bücher.

 

Erik Winter-Reihe
(1) Dans med en ängel
[Stockholm: Norstedts, 1997]
1997 Tanz mit dem Engel
[München: List, 2001]
[München: Ullstein, 2000]
[München: Econ & List, 1999]
Rop från långt avstånd
[Stockholm: Norstedts, 1998]
1998 Die Schattenfrau
[München: Ullstein, 2003]
[München: List, 2002]
[Berlin: Claassen, 2000]
Sol och skugga
[Stockholm: Norstedts, 1999]
1999 Das vertauschte Gesicht
[München: Ullstein, 2003]
[München: List, 2002]
[München: Claassen, 2001]
Låt det aldrig ta slut
[Stockholm: Norstedts, 2000]
2000 In alle Ewigkeit
[Berlin: Ullstein, 2004]
[München: List, 2003]
[München: Claassen, 2002]
(5) Himlen är en plats på jorden
[Stockholm: Norstedts, 2001]
2001 Der Himmel auf Erden
[München: List, 2004]
[München: Claassen, 2002]
Segel av sten
[Stockholm: Norstedts, 2002]
2002 Segel aus Stein
[Berlin: Ullstein, 2015]
[München: List, 2005]
[Berlin: Claassen, 2003]
Rum nummer 10
[Stockholm: Norstedts, 2005]
2005 Zimmer Nr. 10
[Berlin: Ullstein, 2012]
[München: List, 2007]
[Berlin: Claassen, 2006]
Vänaste land
[Stockholm: Norstedts, 2006]
2006 Rotes Meer
[Berlin: List, 2009]
[Berlin: Ullstein, 2008]
Nästan död man
[Stockholm: Norstedts, 2007]
2007 Toter Mann
[Berlin: List, 2010]
[Berlin: Ullstein, 2009]
(10) Den sista vintern
[Stockholm: Norstedts, 2008]
2008 Der letzte Winter
[Berlin: List, 2011]
[Berlin: Ullstein, 2010]
Hus vid världens ände
[Stockholm: Bonniers, 2012]
2012 Das dunkle Haus
[Berlin: List, 2015]
[Berlin: Ullstein, 2014]
Marconi Park
[Stockholm: Bonniers, 2013]
2013 Marconipark
[Berlin: List, 2017]
[Berlin: Ullstein, 2015]
Det trettonde fallet
[Stockholm: Bonniers, 2021]
2021
Den smutsiga floden
[Stockholm: Bonniers, 2025]
2025

 

Jonathan Wide-Reihe
Till allt som varit dött
[Göteborg: Tre böcker, 1995]
1995 Allem, was gestorben war
[München: List, 2003]
Gå ut min själ
[Göteborg: Tre böcker, 1996]
1996 Geh aus, mein Herz
[Berlin: List, 2004]

 

Sonstige Romane und Erzählungen:
Genomresa
[Stockholm: Norstedts, 1999]
1999 Der letzte Abend der Saison
[München: List, 2002]
Jukebox
[Stockholm: Norstedts, 2003]
2003 Der Jukebox-Mann
[Berlin: List, 2006]
[München: Claassen, 2004]
Winterland (1)
[Stockholm: Norstedts, 2004]
2004 Winterland
[Berlin: List, 2003]
Samurajsommar
[Stockholm: Rabén & Sjögren, 2005]
2005 Samuraisommer
[Berlin: List, 2007]
[Hamburg: Carlsen, 2006]
Drakmånad
[Stockholm: Rabén & Sjögren, 2006]
2006 Drachenmonat
[Berlin: List, 2009]
[Hamburg: Carlsen, 2008]
Svalorna flyger så högt att ingen längre kan se dem
[Stockholm: Leopard, 2010]
2010 Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann
[Berlin: Ullstein, 2016]
Möt mig i Estepona
[Stockholm: Leopard, 2011]
2011 Die Rache des Chamäleons
[Berlin: List, 2014]
[Berlin: Ullstein, 2013]
Vintermörker: Samlade spänningshistorier
[Sundbyberg: Semic, 2016]
2016 Winterdunkel
[Berlin: Ullstein, 2017]
Bungalow
[Stockholm: Bonniers, 2019]
2019
Treblinka Comedy Club
[Stockholm: Bonniers, 2024]
2024

 

(1) Erzählungssammlung, die schwedische Originalausgabe erschien, wenn wir das richtig sehen, im Januar 2004. Ein Teil der Ersausgabe wurde bereits Ende Dezember 2003 ausgeliefert, daher findet sich in einigen Datensätzen das Jahr 2003.

 

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