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Haymon

 

Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

Theresa & Joseph Prammer: Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs

Info des Haymon Verlags:
Wenn der Investor zweimal klingelt, die angespannte Lage den Hotelbesitzer kopflos zurücklässt und sich die Notlüge als Kommunikationsmittel der Wahl etabliert.

Perfekt sind in diesem Hotel nur zwei Dinge. Nr. 1: der Name des Besitzers.
Das Haus selbst? Die Fassade bröckelt und einer der Balkone hängt schief - da hilft auch die Toplage ein bisschen abseits von Reichenau an der Rax nichts mehr. Das Wellnesshotel "Perfekt" hat seine besten Tage definitiv schon vorgestern hinter sich gelassen. Eigentlich wird der Laden nur noch von seinen guten Geistern - auch bekannt als Angestellte - zusammengehalten. Jedenfalls von jenen, die noch nicht vor Besitzer Felix Perfekt, ausgesprochen missgünstig und noch cholerischer, davongelaufen sind. Zu dieser leidensfähigen Gruppe zählt etwa Sophie, Mitte 30, die als Physiotherapeutin angestellt wurde. Sie hatte sehr gute Gründe herzukommen, aber warum sie hierbleibt, kann sie sich selbst nicht erklären. Oder Marta, die nicht nur die Zimmer, sondern auch den Chef mit Blick fürs besondere Detail betreut. Was den bunt zusammengewürfelten Haufen, neben fraglichen Lebensentscheidungen, eint? Sie alle werden schlecht, oder strenggenommen gar nicht bezahlt. Und das seit Monaten. Ein neuer Investor kommt da so gelegen wie resche Semmeln am Frühstücksbuffet. Das Manko an der Sache mit dem potenziellen Retter: Er will das Hotel genau inspizieren. Inkognito.

Nr. 2: ein Mord. Zumindest fast.
Es tritt zwar nicht der worst case ein und die gefürchteten Bettwanzen bleiben aus, aber die Todesfälle im angrenzenden Reichenau an der Rax sind der angepriesenen Wohlfühlatmosphäre auch nicht zuträglich. Als Herr Perfekt dann auch noch, äußerst unglücklich, aus dem Fenster stürzt, und sein Hals, noch unglücklicher, Bekanntschaft mit den gefalteten Händen des überdimensionalen Buddha macht, scheint die allerletzte Chance vertan. Scheint... denn die verzweifelten Angestellten lassen sich zu einer Scharade hinreißen, wie sie schon Shakespeare schätzte. Ihr Ass im Ärmel: Felix' Zwillingsbruder Florian, seines Zeichens Misanthrop mit Aszendent gute Seele, der mit dem Hotel auch seinen Erbanteil verlieren würde. Und Felix - eineiiger Entstehungsgeschichte sei Dank - zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein Plan mit Potenzial für allerhand Pleiten, Pech und Pannen, vor allem dann, wenn selbst die Angestellten nicht mehr so recht wissen, wer hier eigentlich wer ist: Personal, Gast, Handwerker, Mörder.

"Der Aufenthalt war, wie seit 70 Jahren, zu unserer vorzüglichsten Zufriedenheit!"
Du liebst den morbiden Reiz von "lost places" oder aus der Zeit gefallenen Orten? Dann hast du nichts mit den Stammgästen des Hotel "Perfekt" gemein. Denn die wirken ein bisschen aus der Zeit gefallen und freuen sich vollkommen unironisch darüber, dass das Hotel noch ausschaut wie bei ihrer Hochzeitsreise anno Schnee. Superber K.u.K.-Schick und Charme inklusive! Wenn du auch noch schrullige bis skurrile Charaktere, schlagfertige Dialoge und eine Priese Aufregung magst, dann bist du bei Theresa und Jospeh Prammer, die sowohl Theater als auch Krimi zelebrieren, goldrichtig. Und anders als im bekannten, gleichfalls am Rande verorteten Café verschonen dich die Prammers mit Lebensweisheiten. Stattdessen gibt's Protagonist*innen, die einen ganz eigenen unkonventionellen Blick aufs Leben haben. Denn wen verschlägt es schon in ein Hotel am Rande des Zusammenbruchs?

Theresa & Joseph Prammer: Das Hotel am Rande des Zusammenbruchs. Kriminalroman. Originalausgabe. Klappenbroschur, 306 S., 16.90 Euro (D), eBook 15.99 Euro (D).

 

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Der Metzger

Thomas Raab: Der Metzger

Info des Haymon Verlags:
Das Lesen ist des Metzgers Lust? Eigentlich nicht... bis es zu Mordfällen wie aus dem Buche kommt.
Zwischen Würstelstand und Bestsellerlisten
Zwischen diesen - zugegebenermaßen etwas weit auseinanderliegenden - Polen, da spielt das Leben: Zumindest das von Willibald Adrian Metzger. Denn in diesem speziellen Fall geht's um die Wurst, oder vielmehr um den Wurstkaiser Woplatek. Oder noch konkreter: um die überrollte Bude seiner Konkurrenz und einen beinahe unter die Räder geratenen Literaturkritiker. Und der Metzger? Den nehmen die Um- und Aufbrüche im privaten Umfeld so in Beschlag, dass das blutrote Cover des neuen Bestsellerthrillers gänzlich an ihm vorübergeht. Bis ihm dann doch der Name des Autors auffällt. Denn der verbindet das eine mit dem anderen, die Würste mit dem Bestseller mit dem mittlerweile toten Woplatek. Eine Verkettung, die Willibald Adrian mitten in den Literaturbetrieb hineinführt.

Nur nicht anpatzen: Der Metzger ermittelt in pikantem Umfeld
Restaurator Willibald Adrian Metzger ist einer, der eher unfreiwillig ermittelt. Und doch: Immer wieder stolpert er aus seiner geliebten Werkstatt hinaus in die Welt des Verbrechens - diesmal in den Mittelpunkt einer kunstvoll verschachtelten Scharade hinein. Ein vorgeblicher Erfolgsautor, ein anagrammatisches Pseudonym, spektakulär inszenierte Missetaten - und alles wurstverkettet mit der Familiengeschichte des größten Fleischereibetriebs in der Stadt, ebenso wie mit der (natürlich rein fiktiven, behaupten Verlag und Autor... ) Handlung eines Thrillers, den gerade alle lesen. Ein Thriller, der im Krimi versteckt ist, sozusagen wie eine Plastikkapsel im Schoko-Ei.

Der Blutdruck von Willibald Adrian steigt bei all dem eher unfreiwillig, sowohl als Resultat von Verfolgungsjagden, die seinem Naturell gemäß eher gemächlich sind, als auch als Reaktion auf seine manchmal verhaltenskreativen Mitmenschen. Und die bittersüßen Abschiede, die sich in seinem Leben gerade zusätzlich zu Häufen scheinen, sind auch nicht gerade zuträglich für die Herzgesundheit...

Das Alltägliche literarisch verwerten anstatt verwursten? Auf alle Fälle!
Thomas Raab weiß, wovon er schreibt, wenn er durch die Brille von Willibald Adrian Metzger auf den Literaturbetrieb schaut. Ist er doch Teil dieser Welt und zwar als einer, der mit unverwechselbarem Stil begeistert: funkensprühender Wortwitz und liebevoll mit feiner Nadel gestrickte Geschichten, gepaart mit bitterböser Gesellschaftskritik. Und während das Herz des Metzgers nicht nur einmal in dessen Hose sinkt, wird unseres gewärmt: Zwischen morbidem Charme und skurrilen Verbrechen blitzen Nostalgie, Melancholie und zärtliche Vatergefühle hervor. Thomas Raab und sein Metzger haben für alle eine Extrawurst parat - nicht nur für alteingesessene Fans, sondern auch für jene, die den Metzger erst kennenlernen.

Thomas Raab: Der Metzger. Kriminalroman. Haymon Taschenbuch Bd. 352 (1. Aufl. - München: Droemer, 2016), 343 S., 14.95 Euro (D).

 

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