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Die CIA am Nasenring

Mit seinem aktuellen Roman »Der Deal« präsentiert sich der amerikanische Journalist und Politthriller-Autor David Ignatius in Höchstform: Ermüdet von der langwährenden Inkompetenz der CIA, so schreibt er in seinem neuen Roman, installiert die Obama-Administration einen neuen Schatten-Geheimdienst, der hauptsächlich mit unendlich vielen Dollars Bewegung bringen sollen in die globalen Konfliktzonen. Wie generiert man viel Geld für einen Dienst, der sich der demokratischen Kontrolle entzieht? Wie verhindert man, dass ein Dienst, der mit derartig viel Geld operiert, zu einem Selbstbedienungsladen verkommt?

Von Thomas Wörtche

 

Der Deal

Ach, ja, die Welt ist kompliziert. So kompliziert, dass nicht einmal mehr die Geheimdienste durchblicken, die doch diese Undurchsichtigkeit mit angerichtet haben. Zum Beispiel die gute, alte CIA. Niemand traut ihr mehr, zu sehr hat sie sich vom Weißen Haus am Nasenring führen lassen, ihre Aktionen von Abu Ghraib bis zu Drohnenangriffen mit Kollateralschäden bringen selbst wohlmeinende Menschen gegen sie auf. "Die Aufgabe, die Welt zu begreifen, wie sie ist, hat drei Generationen CIA-Beamte überfordert", schreibt der Geheimdienstexperte Tim Weiner und steht mit dieser These nicht alleine.

Glaubt man dem neuen Roman des Washington-Insiders David Ignatius Der Deal, dann hat die Obama-Administration aus dem traurigen Zustand der CIA die Konsequenzen gezogen und einen Parallel-Geheimdienst aufgebaut. Der soll vor allem in Pakistan und den Grenzregionen zu Afghanistan den Widerstand gegen die Amerikaner brechen und die Kooperation der lokalen politischen Größen mit einer Finanzoffensive lukrativ gestalten.

Mit anderen Worten: Warlords, Politiker, Stammesführer und andere einflussreiche Leute sollen mit Abermillionen Dollars bestochen und damit politisch neutralisiert werden. Dieser Schattengeheimdienst residiert in einem faden Industriegebiet in L.A., hat den leicht albernen Namen "The Hit Parade" und wird von einer zwielichtigen Figur namens Jeffrey Gertz geleitet, der alles andere ist als vertrauenswürdig. Besagte gute, alte CIA hat ihn schon längst auf dem Kieker. Erst recht, als irgendjemand die Agenten von Gertz systematisch umbringt. Und zwar aufgrund intimster Insiderinformationen.

Die aber bekommt man nur, wenn man clever ist und dem Geld und den Transaktionen folgen kann, denn Gertz' ambitioniertes Programm verlangt nach Finanzierung außerhalb demokratischer Kontrolle.

Hier ist Ignatius in seinem Element: Wie finanziert man illegal über Hegdefonds geheime Operationen? Wer verdient daran? Welche nationalen Interessen berührt der nur geografisch ferne Kampf gegen Al Khaida & Co.? Wo laufen die Grenzlinien zwischen den Guten und den Bösen? Kann es Versöhnung geben, die nicht gekauft ist? Ist irgendjemand überhaupt am Frieden interessiert? Ist Geheimdienstarbeit, die mit großen Summen hantiert, nicht ein riesiger Selbstbedienungsladen?

Alle moralischen Schattierungen fügt Ignatius zu einem Vexierspiel der Positionen: Mit von der Partie sind noch unter anderem der Geheimdienstchef von Pakistan, ein genialer, aber zu recht racheglühender paschtunischer Computerspezialist, eine karrierebewusste junge, schon sehr coole Agentin und ein netter, hoch krimineller Banker mit Sitz in London.

All das wird von Ignatius mit fast wollüstiger Präzision und Lakonie straight und schnell erzählt und ergibt genau die Sorte von Politthriller, die intelligent unterhält und bei der man am Ende glaubt, doch wieder ein bisschen mehr kapiert zu haben, wie der Laden hier auf dem Globus so tickt.

 

David Ignatius: Der Deal. (Bloodmoney, 2011). Thriller. Aus dem Amerikanischen von Thomas A. Merk. Deutsche Erstausgabe. Reinbek: Rowohlt, 2012, Rowohlt Taschenbuch Nr. 25770, 477 S., 9.99 Euro (D).

© Thomas Wörtche, 2012
(Deutschlandradio Kultur,
06.04.2012
)

 

Ein Gespräch mit Thomas Wörtche über David Ignatius' Roman finden Sie auf der Internetseite von Deutschlandradio Kultur unter http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1723523/ oder gleich hier zum Reinhören (.mp3).

 

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