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Chester Himes

1909 - 1984

 

Chester Himes Chester Himes wurde 1909 in Jefferson City, Missouri geboren. Die Familie Himes gehörte zum schwarzen Mittelstand. Auf eine gute Bildung der Kinder wurde geachtet. Chesters Bruder brachte es zum Professor. Er selbst begann 1927 ein Studium an der Ohio State University, wurde jedoch ein Jahr später schon wieder relegiert - wegen kleinkrimineller Umtriebe. 1928 beging er einen bewaffneten Raubüberfall, wurde prompt geschnappt und zu zwanzig Jahren "at hard labor" im Ohio State Penitentiary verurteilt. Im Knast begann er, professionell zu schreiben, seine Kurzgeschichten erschienen u.a. im "Esquire". 1936 wurde er vorzeitig entlassen, heiratete Jean Johnson in Cleveland und arbeitete in den nächsten Jahren in einer Reihe von unterschiedlichsten, auch journalistischen Jobs (u.a. für die "Works Progress Administration", eine Art New Deal-Programm für Arbeitslose inkl. "arbeitslose" Schriftsteller).

1940 ging er nach Kalifornien, um dort in der kriegsbedingt boomenden Werftindustrie zu jobben. Erfahrungen aus der Arbeitswelt, dazu die mit dem spezifisch kalifornischen Rassismus, mit Gewerkschaften und kommunistischen Aktivitäten, schlugen sich direkt und naturalistisch in den beiden Romanen "If He Hollers Let Him Go" und "Lonely Crusade" nieder. Die machten ihn einerseits zu einer gewissen Größe im Kulturbetrieb, andererseits zum Angriffsziel verschiedener pressure groups. Beide Romane vertrugen sich nicht mit den ideologischen und gesellschaftlichen Strömungen der Zeit. Himes hatte es sich sofort mit den kulturbetrieblichen und gesamtgesellschaftlichen pressure groups verdorben. Zwar war die Presse, insbesondere für "Lonely Crusade", nicht so verheerend, wie er selbst in der Autobiographie behauptete, aber er fühlte sich zurecht von allen Lobbies und jedem "Wir" ausgeschlossen. Nicht nur die Linke gab ihm deutlich ihr Unverständnis zu spüren. Jüdische Zeitungen keilten zurück gegen den latenten Antisemitismus in Himes' Texten. Die WASPs reagierten sowieso pikiert, ebenso Teile der schwarzen Bewegungen, weil Himes immer wieder radikal personalisierend, später auch "theoretisierend", auf das Thema "interracial sex" zu sprechen kam - in einer Weise, die beide Seiten aus unterschiedlichen Gründen nicht goutieren konnten.

Himes fühlte sich in den USA in die Ecke gedrängt, isoliert, sabotiert. Unter diesem Druck platzte seine Ehe. Am 4. April 1953 floh er, permanent in Geldschwierigkeiten, nach Frankreich, wo überraschend "If He Hollers" unter dem Titel "S'il braille, lâche-le" reüssiert war. Die Probleme nahmen in Europa zunächst trotzdem nicht ab. Himes lavierte und sumpfte sich mit seinem greulichen Französisch (das er nie richtig lernen mochte) durch die Pariser "Exilanten"- und Literatenszene. Erst 1957 überredete Marcel Duhamel, der bei Gallimard die berühmte und renommierte série noir herausgab, Himes zu seinen "domestic novels". Als "A Rage In Harlem" 1958 als erster Titel eines englischsprachigen Autors überhaupt den "Grand prix de la littérature policière" gewann, wurde Himes in Frankreich allmählich zum gefeierten Kult-Autor. Diesen Status konnte er in den nächsten Jahren in Europa festigen, aber nicht in den USA. Zwar kaufte Sam Goldwyn jr. 1970 sechs Filmstoffe von Himes, aber nur aus "Cotton Comes To Harlem" wurde unter der Regie von Ossie Davis ein nicht allzu erfolgreicher Kinofilm im Zuge der blaxploitation-Welle. Ein zweiter Film, "Come Back, Charleston Blue", nach Motiven von "Run, man, run" und einem eigenen Drehbuchentwurf von Himes, stürzte jämmerlich ab. 1978 heirateten Chester Himes und die Engländerin Lesley Packard. Sie verließen Frankreich und ließen sich bei Alicante nieder. Am 13. November 1984 starb Himes in Spanien.

© Thomas Wörtche, 1998
(Der biographische Abriss ist ein kleiner Teil von Wörtches Himes-Essay
It does Make Sense! Chester Himes und das 20. Jahrhundert,
der 1998 im Wespennest erschien.)

 

* * *

 

Die Bibliographie

 

In Klammern finden Sie die Titel, die Chester Himes für seine Romane vorgesehen hatte. Da viele seiner Romane des Harlem-Zyklus zuerst in Frankreich erschienen sind, habe diese einen anderen "Originaltitel" als der, unter dem sie dann tatsächlich in den USA und GB erschienen sind und auch in Deutschland bekannt wurden. Es existierten also nie englischsprachige Ausgaben der Titel, die in Klammern stehen.

Eine gute französische Chester Himes Bibliographie (»les comparses détectives Ed Cercueil et Fossoyeur«) finden Sie unter http://www.sdm.qc.ca/txtdoc/pol/adu/HIMESCHESTER.html

 

Der Harlem-Zyklus:
A Rage in Harlem
(The Five Cornered Square)
[Greenwich, Conn.: Fawcett, 1957 unter dem Titel »For Love of Imabelle«]
[Paris: Gallimard, 1958 unter dem Titel »La reine des pommes«]
[New York: Avon, 1965]
[London: Panther Books, 1965]
1957 Die Geldmacher von Harlem
[Zürich: Unionsverlag, 1999]
[Reinbek: Rowohlt, 1976]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1962]
The Real Cool Killers
(If Trouble was Money)
[Paris: Gallimard, 1958 unter dem Titel »Il pleut de coups dur«]
[New York: Avon, 1959]
[London: Panther Books, 1969]
1958 Heiße Nacht für kühle Killer
[Zürich: Unionsverlag, 1999]
[Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg, 1971]
[Reinbek: Rowohlt, 1969]
The Crazy Kill
(A Jealous Man can't Win)
[Paris: Gallimard, 1959 unter dem Titel »Couché dans le pain«]
[New York: Avon, 1959]
[London: Panther, 1969]
1959 Fenstersturz in Harlem
[Zürich: Unionsverlag, 1998]
[Reinbek: Rowohlt, 1975]
[ Frankfurt/M.: Ullstein, 1961]
The Big Gold Dream
[Paris: Gallimard, 1959 unter dem Titel »Tout pour plaire«]
[New York: Hearst, 1960]
[London: Panther, 1968]
1959 Der Traum vom großen Geld
[Zürich: Unionsverlag, 2000]
[Reinbek: Rowohlt, 1969]
Run, Man, Run (1)
[Paris: Gallimard, 1959 unter dem Titel »Dare-dare«]
[New York: Putnam, 1966]
[London: F. Muller, 1967]
1959 Lauf Mann, lauf!
[Zürich: Unionsverlag, 1998]
[Berlag: Verlag Das Neue Berlin, 1972]
[Reinbek: Rowohlt, 1968 unter dem Titel
Lauf, Nigger, lauf!]
All Shot Up
(Don'et play with deat)
[Paris: Gallimard, 1960 unter dem Titel »Imbroglio negro«]
[New York: Hearst, 1960]
[London: Panther, 1969]
1960 Harlem dreht durch
[Reinbek: Rowohlt, 1976]
[Frankfurt/M.: Ullstein, 1967 unter dem Titel »Rauhnacht in Harlem«]
The Heat's on
(Be Calm)
[Paris: Gallimard, 1961 unter dem Titel »Ne nous énervons pas!«]
[New York: Putnam, 1966]
[London: Muller, 1966]
[Harmondsworth : Penguin Books, 1974 unter dem Titel »Come Back, Charleston Blue«]
1961 Heroin für Harlem
[Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg, 1971]
[Reinbek: Rowohlt, 1968]
Cotton Comes to Harlem
(Back to Africa)
[Paris: Plon, 1964 unter dem Titel »Retour en Afrique«]
[New York: Putnam, 1965]
[London: F. Muller, 1966]
1964 Schwarzes Geld für weiße Gauner
[Reinbek: Rowohlt, 1967]
Blind Man with a Pistol
[New York: William Morrow, 1969]
[London: Hodder & Stoughton, 1969]
[Paris: Gallimard, 1970 unter dem Titel »L'aveugle au pistolet«]
[New York: Dell, 1970 unter dem Titel »Hot Day, hot Night«]
1969 Blind, mit einer Pistole
[Reinbek: Rowohlt, 1970]
Plan B (2)
[Paris: Lieu Commun, 1983]
[Jackson: University Press of Mississippi, 1993]
1993 Plan B.
[Zürich: Unionsverlag, 2000]
[Berlin: Alexander-Verlag, 1994]

 

(1) In diesem Roman treten die beiden Police Detectives Coffin Ed Johnson und Gravedigger Jones, Himes Stammpersonal, nicht auf. Dennoch ist der Roman im Harlem-Zyklus einzusortieren.

(2) Ein unvollendetes Romanfragment.

 

Andere:
If He Hollers Let Him Go
[Garden City, NY: Doubleday, Doran & Co, 1945]
[London: Falcon Press, 1947]
[Paris: Editions Albin Michel, 1948 unter dem Titel »S'il braille, lâche-le...«]
1945 Flieh, wenn du kannst
[Bergisch Gladbach: Bastei-Verlag Lübbe, 1991]
Lonely Crusade
[New York: Alfred A. Knopf, 1947]
[London: Falcon Press, 1950]
[Paris: Corrêa, 1952 unter dem Titel »La croisade de Lee Gordon«]
1947
Yesterday Will Make You Cry
[New York: New American Library, 1952 unter dem Titel »Cast the First Stone«]
[Paris: Guénaud, 1978 unter dem Titel »Qu'on lui jette la première pierre«]
[London: Allison & Busby, 1990]
[New York: Norton, 1998]
1952
The Third Generation
[Cleveland: World Publishing Company., 1954]
[Paris: Plon, 1957 unter dem Titel »La troisième génération«]
1954 Mrs. Taylor und ihre Söhne
[Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1969]
[Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg, 1962]
[Berlin: Ullstein, 1962]
The End of a Primitive
[New York: New American Library, 1955 unter dem Titel »The Primitive«]
[Paris: Gallimard, 1956 unter dem Titel »La Fin d'un primitif«]
[London: Allison & Busby, 1990]
[New York: Norton, 1997]
1955
Pinktoes
[Paris: Olympia Press, 1961]
[Paris: Plon, 1962 unter dem Titel »Mamie Mason ou un exercice de la bonne volonté«]
[New York: Putnam, 1965]
[London: Arthur Barker, 1965]
1961 Schwarze Glut
[Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe, 1986]
[Bergisch-Gladbach: Bastei-Lübbe, 1970 unter dem Titel »Schwarzer Samt in heissen Nächten«]
A Case of Rape
[Paris: Éditions les Yeux ouverts, 1963 unter dem Titel »Une Affaire de viol«]
[New York: Targ Editions, 1980]
1963
The Quality of Hurt
Autobiography: The Early Years
[Garden City, N.Y.: Doubleday, 1972]
[London: Michael Joseph, 1973]
1972
Black on Black
'Baby Sister' and Selected Writings
[Garden City, N.Y.: Doubleday, 1973]
[London: Michael Joseph, 1975]
1973
My Life of Absurdity
Autobiography Vol. Two
[Garden City, N.Y.: Doubleday, 1976]
1976

 

Über Chester Himes (Auswahl):
Chester Himes
By James Lundquist
[New York: Ungar, 1976]
1976
Chester Himes. A Critical Appraisal
By Stephen F. Milliken
[Columbia: University of Missouri Press, 1976]
1976
Paris without regret. James Baldwin, Kenny Clarke, Chester Himes, and Donald Byrd
By Ursula Broschke Davis
[Iowa City: University of Iowa Press, 1986]
1986
Two Guns from Harlem. The detective fiction of Chester Himes
By Robert E. Skinner
[Bowling Green, Ohio: Bowling Green State University Popular Press, 1989]
1989
Chester Himes
By Gilbert H. Muller
[Boston: Twayne Publishers, 1989]
1989
The Ethnic Detective. Chester Himes, Harry Kemelman, Tony Hillerman
Von Peter Freese
[Essen: Verlag Die Blaue Eule, 1992]
1992
Chester Himes. An annotated primary and secondary bibliography
By Robert E. Skinner and Michel Fabre
[New York, London: Greenwood Press, 1992]
1992
Difficult lives. Jim Thompson, David Goodis, Chester Himes
By James Sallis
[Brooklyn, N.Y.: Gryphon Books, 1993]
1993
Conversations with Chester Himes.
Ed. by Robert E. Skinner and Michel Fabre
[Jackson: University Press of Mississippi, 1995]
1995
The Several Lifes of Chester Himes
By Edward Margolies and Michel Fabre
[Jackson: University Press of Mississippi, 1997]
1997
Chester Himes. A Life
By James Sallis
[New York: Walker, 2000]
Edinburgh: Payback Press, 2000]
2000

 

© der Bibliographie:
j.c.schmidt, 2000-2002

 

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