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Ian Rankin

 

Bilderrätsel aus Edinburgh

 

Der Schotte Ian Rankin ist einer der wenigen englischsprachigen Autoren, die auf beiden Seiten des Atlantiks gleich geschätzt werden. Seine Romane um den Anti-Helden Detective Inspector John Rebus in Edinburgh erstürmen binnen kurzer Zeit die Bestsellerlisten und werden von der Kritik begeistert aufgenommen. Er hat diverse Preise gewonnen - allein dreimal den Dagger der britischen Crime Writers Association (1994 und 1996 für die beste Short Story, 1997 für den Rebus-Roman »Black & Blue«). Der Erfolg Ian Rankins bei Publikum und Kritik erklärt sich wohl auch daraus, dass seine Romane auf der Oberfläche gut zu lesen sind, aber eine hochkomplexe Substruktur aufweisen.

Erstaunlich, dass Ian Rankin in Deutschland erst dreizehn Jahre nach seinem Debüt verlegt wurde.
Erstaunlich auch, dass alles mit einem Missverständnis begann.

* * *

Ian Rankin wollte schon als Kind Schriftsteller werden, aber niemals Kriminal-Schriftsteller. Sein erster John Rebus-Roman »Knots & Crosses« entstand aus einer intellektuellen Spielerei: Der junge Rankin studierte Literatur und beschäftigte sich ausgiebig mit Literaturtheorie. »Knots & Crosses« ist angelegt als ein Spiel zwischen Buch und dem Leser. Rebus - auf Deutsch "Bilderrätsel" - ermittelt in dem Fall verschwundener Mädchen und erhält anonyme Briefe, denen Bilderrätsel - zusammengeknotete Stricke und aus Streichhölzern gebastelte Kreuze - beigelegt sind.

Selbst nach der Veröffentlichung von »Knots & Crosses« sieht Rankin seinen Roman nicht als Kriminalroman und ist erstaunt, dass das Buch in den Läden zwischen P.D. James und Agatha Christie, aber nicht in den Regalen mit der Schottischen Literatur zu finden ist. Vergeblich sucht Rankin in den Feuilletons nach Besprechungen, weil er nicht in die Rubriken mit Kriminalliteratur schaut. "Ich dachte, sie machten einen Fehler: Ich habe keinen Kriminalroman geschrieben. Aber als mich die Crime Writer's Association fragte, ob ich Mitglied werden wollte, wusste ich: ich war es, der den Fehler gemacht hat." (Ian Rankin: Exile on Princess Street. Inspector Rebus & I. Den kompletten Beitrag können Sie nachlesen unter http://www.twbooks.co.uk/authors/rebus.html)

Ian Rankin zu kaliber .38 auf die Frage, wie er zur Kriminalliteratur gekommen ist:

"Ich bin durch Zufall Krimiautor geworden. Ich versuchte, eine Neufassung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde für die 80er Jahre zu schreiben. Der Roman ist von einem Schriftsteller aus Edinburgh (Robert Louis Stevenson), aber er spielt in London. Ich wollte die Handlung nach Edinburgh verlegen, weil ich fand, dass das eigentlich ein Buch über das Wesen der schottischen Psyche ist. Aber statt eines Doktors machte ich einen Bullen zu meinem Helden, so dass die Hyde-Figur ein alter Freund sein konnte, der zum bitteren Feind wird. Nachdem ich etwas geschrieben hatte, das, wie sich herausstellte, als Whodunit eingeordnet wurde, begann ich mich für Kriminalliteratur im Allgemeinen zu interessieren. Ich mochte den ausgeprägten Sinn für Schauplätze, die Unmittelbarkeit und die Verwicklungen von Kriminalromanen. Und ich spürte, dass wenn ich über die moderne Großstadterfahrung in Schottland schreiben wollte, die Figur des Polizisten ein nützliches 'Werkzeug' sein könnte, weil er Zugang in allen Bereiche der Gesellschaft hat."

Der junge Ian Rankin kennt die Polizeiarbeit nur aus Filmen und Büchern. Seine Recherchen zum ersten Roman beschreibt er selbst als dürftig. Dabei kommt es zu einer folgenreichen Panne: Rankin schreibt der Polizeiverwaltung, er arbeite an einem Roman über einen Polizisten, der den Fall eines verschwundenen Mädchens bearbeitet, und bittet um Hilfe. Man antwortet ihm, er solle sich an eine bestimmte Polizeiwache wenden, die in der Tat gerade einen ganz ähnlichen Fall bearbeite. Rankin - nach einer schlaflosen, aber alkoholreichen Nacht - erscheint im loddeligen Aufzug und trägt seine Fragen wenig geschickt vor. Er merkt nicht, dass sich der Spieß langsam dreht: Erst als er ihn die Polizisten nach einem Alibi für die Tatzeit fragen, wird ihm klar, dass er zu einem Verdächtigen geworden ist.

* * *

Ian Rankin wird 1960 in Cardenden, Fife, geboren. Cardenden ist eine Arbeitersiedlung mitten im Kohlerevier in den Schottischen Lowlands, die mit der Schließung der Zechen in den 60er Jahren zunehmend verfällt. Als Kind flüchtet sich Rankin vor der depressiven Wirklichkeit in die Phantasie (Cardenden wird von den Kids nur "Car-dead-end" genannt), entwickelt Comicstrips und schreibt Gedichte. An der Kinokasse werden die Kids abgewimmelt, weil sie zu jung für die Filme sind, aber in der Bibliothek gibt es keine Altersbeschränkung: Rankin liest ungezählte Romane hauptsächlich aus Amerika: Western- und Kung-Fu-Romane, Mario Puzos »Paten«, »Clockwork Orange« und Ernest Tidyman's »Shaft«-Romane (Rebus' Vorname "John" ist eine kleine Verbeugung vor dem schwarzen Privatdetektiven).

Rankin studiert in Edinburgh Englisch (Schwerpunkt amerikanische Literatur) und beginnt eine Promotion über Schottische Literatur. Er schreibt ungezählte Kurzgeschichten, einen Roman, der nicht veröffentlicht wird, und schließlich den Bildungsroman »The Flood«, der im Februar 1986 in einem studentischen Kleinverlag erscheint. Rankin heiratet im gleichen Jahr, bricht sein Studium ab nachdem das Stipendium aufgebraucht ist und zieht nach London. Er arbeitet als Redakteur für ein Hifi-Magazin und veröffentlicht die beiden Romane »Watchman« und »Westwind« - ein eher an Graham Greene erinnerndes Buch und ein Thriller. Erst um 1990 bringt ihm seine Schreiberei genug ein, um davon zu leben. Rankin und seine Frau ziehen nach Frankreich und leben sechs Jahre in der Dordogne. Seiner Figur John Rebus wendet sich Rankin nach ein paar Jahren wieder zu, als er einen neuen Edinburgh-Gothic schreiben will.

In jedem Rebus-Roman versucht Rankin, einen Aspekt des modernen schottischen Lebens darzustellen. Die Stadt Edinburgh selbst ist eine zentrale Figur in den Büchern, und Rankin beschreibt die Seiten der Stadt, die Touristen nicht kennen lernen. Die Rebus-Reihe ist ein komplexes Panorama Edinburghs, seiner düsteren Geschichte und Gegenwart:

"Rebus, genauso wie Edinburgh, versteckt einen guten Teil seiner selbst vor den Leuten, die ihn umgeben. Er verbirgt seine Gefühle. Ja, in diesem Sinne ist er wie seine Stadt. Er ist so vielschichtig wie seine Umgebung. Vielleicht ist das der Grund, warum die Leser ihn mögen. In jedem Roman fällt eine Schicht der Zwiebelhaut, wir kommen seinem Herzen und seiner Seele näher... dennoch erreichen wir ihn nicht ganz. Und genauso wenig kommen wir zu einem vollen Verständnis von Edinburgh."
(in einem Interview mit bookreporter.com).

Die Rebus-Romane spielen in Echtzeit: In »Knots & Crosses« war Rebus 38 Jahre, mittlerweile ist über 50. Schottische Polizisten gehen mit 60 in Pension - ein Abschied von der Figur ist somit vorprogrammiert. Ursprünglich nur Mittel zum Zweck, hat sich seine Hauptfigur immer mehr entwickelt: Heute antwortet Rankin auf die Frage, wieviel von ihm selbst in seiner Figur stecke, daß er wahrscheinlich mehr von Rebus in sich habe als anders rum. Nur - seiner Hauptfigur den seltsamen Namen verpasst zu haben, bedauert Ian Rankin.

"Als ich zurück nach Edinburgh zog, landete ich in einem anderen Stadtteil, wo ich mich nicht sonderlich auskannte. Eines Nachts ging ich in eine Bar, und die ersten Leute, die ich dort traf, waren Mr. und Mrs. Joe Rebus. Sie waren die einzigen Rebusses in Schottland. Und ihre Adresse war Rankin Drive. Gespenstisch, nicht?"
(Interview mit dem Januarymagazine)

Rankin schrieb neben seinen Rebus-Romanen auch drei Romane unter dem Pseudonym Jack Harvey. Diese Romane beschreibt er als Airport-Thriller: schnelle Unterhaltung, mit der man einen langen Flug überbrückt und am Zielort gleich in die nächste Mülltonne wirft.

 

Inspector Rebus-Reihe:
Knots & Crosses
[London: Bodley Head, 1987]
[Garden City, N.Y. : Doubleday, 1987]
[Llandysul : Gomer, 1990 unter dem Titel »Chwerw'n troi'n chwarae«]
1987 Verborgene Muster
[München: Goldmann, 2000]
Hide & Seek
[London: Barrie & Jenkins, 1991]
[New York: Otto Penzler Books, 1994]
1991 Das zweite Zeichen
[München: Goldmann, 2001]
Tooth & Nail
[London: Orion, 1998]
[New York: St. Martin's Press, 1996 unter dem Titel »Tooth and Nail«]
[London: Century, 1992 unter dem Titel »Wolfman«]
1992 Wolfsmale
[München: Goldmann, 2001]
Strip Jack
[London: Orion, 1992]
[New York: St. Martin's, 1994]
1992 Ehrensache
[München: Goldmann, 2002]
A Good Hanging and other Stories
[London: Century, 1992]
[New York: St. Martin's Minotaur, 2002]
1992 Eindeutig Mord
[München: Goldmann, 2008]
The Black Book
[London: Orion, 1993]
[New York: Otto Penzler Books, 1994]
1993 Verschlüsselte Wahrheit
[München: Goldmann, 2002]
Mortal Causes
[London: Orion, 1994]
[New York: Simon & Schuster, 1995]
1994 Blutschuld
[München: Goldmann, 2003]
Let it Bleed
[London: Orion, 1995]
[New York: Simon & Schuster, 1996]
1995 Ein eisiger Tod
[München: Goldmann, 2004]
Black & Blue
[London: Orion, 1997]
[New York: St. Martin's, 1997]
1997 Das Souvenir des Mörders
[München: Goldmann, 2005]
The Hanging Garden
[London: Orion, 1998]
[New York: St. Martin's, 1998]
1998 Die Sünden der Väter
[München: Goldmann, 2006]
Death is not the End
A John Rebus Novella
[London: Orion, 1998]
[New York: St. Martin's, 2000]
1998
Rebus: The Early Years (1)
[London: Orion, 1999]
1999
Dead Souls
[London: Orion, 1999]
[New York: St. Martin's, 1999]
1999 Die Seelen der Toten
[München: Goldmann, 2006]
Set in Darkness
[London: Orion, 2000]
[New York: St. Martin's, 2000]
2000 Der kalte Hauch der Nacht
[München: Goldmann, 2002]
[München: Manhattan, 2001]
The Falls
[London: Orion, 2001]
[New York: St. Martin's Minotaur, 2001]
2001 Puppenspiel
[München: Goldmann, 2004]
[München: Manhattan, 2002]
Rebus: The St. Leonard's Years (2)
[London: Orion, 2001]
2001
Resurrection Men
[London: Orion, 2001]
[Boston: Little, Brown & Co., 2003]
2001 Die Tore der Finsternis
[München: Goldmann, 2005]
[München: Manhattan, 2003]
Beggars Banquet (3)
[London: Orion, 2002]
2002 Der Tod ist erst der Anfang (3)
[München: Goldmann, 2010]
A Question of Blood
[London: Orion, 2003]
[Boston: Little, Brown & Co., 2004]
2003 Die Kinder des Todes
[München: Goldmann, 2006]
[München: Manhattan, 2004]
Fleshmarket Close
[London: Orion, 2004]
[Boston: Little, Brown & Co., 2005 unter dem Titel
»Fleshmarket Alley«]
2004 So soll er sterben
[München: Goldmann, 2007]
[München: Manhattan, 2005]
The Complete Short Stories (4)
[London: Orion, 2005]
2005
Rebus' Scotland
A Personal Journey. Photographed by Tricia Malley and Ross Gillespie. (5)
[London: Orion, 2005]
2005
The Naming of the Dead
[London: Orion, 2006]
[Boston: Little, Brown & Co., 2007]
2006 Im Namen der Toten
[München: Goldmann, 2009]
[München: Manhattan, 2007]
Exit Music
[London: Orion, 2007]
[Boston: Little, Brown & Co., 2008]
2007 Ein Rest von Schuld
[München: Goldmann, 2010]
[München: Manhattan, 2008]
Standing in Another Man's Grave
[London: Orion, 2012]
[New York: Reagan Arthur Books, 2013]
2012 Mädchengrab
[München: Goldmann, 2014]
[München: Manhattan, 2013]
Saints of the Shadow Bible
[London: Orion, 2013]
[New York: Little, Brown, 2014]
2013 Schlafende Hunde
[München: Goldmann, 2016]
[München: Manhattan, 2014]
The Beat Goes On
The Complete Rebus Short Stories
[London: Orion, 2014]
[Boston: Little, Brown & Co., 2015]
2014 Rebus
Alle Inspector-Rebus-Stories
[München: Goldmann, 2017]
Even Dogs in the Wild
[London: Orion, 2015]
[Boston: Little, Brown & Co., 2016]
2015 Das Gesetz des Sterbens
[München: Manhattan, 2016]
Rather Be the Devil
[London: Orion, 2016]
[Boston: Little, Brown & Co., 2017]
2016 Ein kalter Ort zum Sterben
[München: Goldmann, 2017]

 

(1) Ein Sammelband, enthält die Romane »Knots & Crosses«, »Hide & Seek« und »Tooth & Nail«.

(2) Der Sammelband enthält die Romane »Strip Jack«, »The Black Book« und »Mortal Causes«.

(3) Eine Sammlung mit Kurzgeschichten, die nicht nur Rebus-Stories enthält.

(4) Die Anthologie enthält alle Geschichten der früheren Story-Bände »A Good Hanging« und »Beggars Banquet« plus die neue Geschichte »Atonement«, die speziell für diese Anthologie entstanden ist.

(5) Ein Photoband und Reisebuch, das zu den Plätzen in Schottland führt, die Rankin zu seinen Romanen inspirierten.

 

Andere:
The Flood
[Edinburgh: Polygon, 1986]
1986 Das dunkle Herz der Schuld
[München: Goldmann, 2011]
Watchman
[London: Bodley Head, 1988]
[Garden City, N.Y. : Doubleday, 1991]
1988 Der diskrete Mr. Flint
[München: Goldmann, 2008]
[München: Manhattan, 2006]
Westwind
[London: Barrie & Jenkins, 1990]
1990
Herbert in Motion and Other Stories
[London: Revolver, 1997]
1994
Doors Open
[London: Orion, 2008]
[New York: Little, Brown and Co., 2010]
2008 Der Mackenzie Coup
[München: Goldmann, 2010]
[München: Manhattan, 2009]
A Cool Head
[London: Orion, 2009]
2009 Ein kaltes Herz
[München: Goldmann, 2010]
Dark Road
(A Stage Play, with Mark Thomson)
[London: Orion, 2014]
2014

 

Malcolm-Fox-Serie:
The Complaints
[London: Orion, 2009]
[New York: Reagan Arthur Books, 2011]
2009 Ein reines Gewissen
[München: Goldmann, 2011]
[München: Manhattan, 2010]
The Impossible Dead
[London: Orion, 2011]
[New York: Reagan Arthur Books, 2011]
2011 Die Sünden der Gerechten
[München: Goldmann, 2013]
[München: Manhattan, 2011]

 

Als Jack Harvey:
Witch Hunt
[London: Headline Feature, 1993]
1993 Die Kassandra Verschwörung
[München: Goldmann, 2008]
Bleeding Hearts
[London: Headline Feature, 1994]
[Boston: Little, Brown, & Co., 2006]
1994 Bis aufs Blut
[München: Goldmann, 2009]
Blood Hunt
[London: Headline, 1995]
[Boston: Little, Brown, & Co., 2006]
1995 Sein Blut soll fließen
[München: Goldmann, 2009]
The Jack Harvey Novels (6)
[London: Orion, 2000]
2000

 

(6) Sammelband mit den drei Jack-Harvey-Romanen. Angeblich enthält der Sammelband einen Roman namens »Cold Blood«. Ian Rankin selbst gibt an, niemals einen Roman mit diesem Titel geschrieben zu haben. Entweder stimmen die Angaben zum Inhalt des Sammelbandes nicht, oder der Verlag hat den Roman »Blood Hunt« einen neuen Titel verpasst. »Cold Blood« ist keinesfalls ein bisher unveröffentlichtes Manuskript.

 

© j.c.schmidt, 2001 - 2016

 

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